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Sascha Grabow

Zu Fuss durch den Kongo Drucken
Geschrieben von Sascha Grabow & translated by Dieter Grabow (german), Takeshi Tajima (japanese)   
Wednesday, 11 April 2012

 

In jedem anderen Land begrüßen einen die Leute mit "Hallo, wie geht´s?" oder so ähnlich.

                                                           Nicht so im Kongo. Dort kann es passieren, dass ein zufälliger Passant dich anspricht mit "Was hast du in deinem großen Rucksack ?"

Bürgerkrieg im Kongo

 

Am 7. Februar 2009 kam ich an in der Demokratischen Republik Kongo, auf einer gut ausgebauten Straße von Sambia her. Ein moslemischer Grenzwächter wollte 20 Dollar extra von mir haben, aber nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich nach Lusaka zurück- kehren würde, um mich dort in der Botschaft zu erkundigen, ob das erlaubt ist, ließ er seine Forderung fallen und mich passieren. Kurz darauf nahm mich jemand mit in einem Pajero Jeep, und innerhalb von zwei Stunden, auf einer hervorragenden Straße, waren wir schon in Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt im Kongo und Hauptstadt der Provinz Katanga. Die Polizisten in ihren leuchtend gelb-blauen Uniformen, die überall am Straßenrand postiert waren, wollten nichts von uns wissen, sondern signalisierten "keinerlei Probleme - alles okay!"

In der Stadt gelang es mir, eine Unterkunft zu finden im Don Bosco Christian Center - sehr nette Leute findet man dort! und dort traf ich auch ein deutsch/rhodesisches Pärchen, das aus Simbabwe vertrieben war und dort Unterschlupf gefunden hatte. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich auszuruhen und Kräfte zu sammeln für das, was noch kommen sollte. Ich blieb dort eine ganze Woche und bemühte mich zugleich, Informationen einzuholen und mich auf die Weise vorzubereiten auf die Reise ins Landesinnere - "ins Herz der Finsterniss", wie der Schriftsteller Joseph Conrad diese Reise genannt hat, die er in seiner bekannten Short Story beschreibt. Heute ist es zwar nicht mehr der Kongo aus den Anfangszeiten der Kolonialisierung mit all seinen Grausamkeiten und seinen undurchschaubaren Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnissen. Die Sklaverei ist abgeschafft und die Kolonialherren sind vertrieben, aber das dumpfe Klima der Angst, der Bespitzelung und Verfolgung durch eine unberechenbare Polizei sind geblieben. Dazu kommt: Katanga ist das kommerzielle Zentrum des Landes, wo wertvolle Rohstoffe abgebaut werden, mit deren Förderung und Besitz glänzende Geschäfte gemacht werden können - offizielle, aber besonders auch geheime Geschäfte, von denen viele profitieren wollen, und an denen noch viel mehr Menschen leiden müssen - an den mörderischen Bedingungen beim Abbau dieser Bodenschätze wie an den mafiösen Strukturen bei ihrer Vermarktung - Verhältnisse, die durchaus noch Ähnlichkeit mit dem blut- rünstigen Ausbeutungssystem haben, das J.Conrad in seiner Erzählung beschreibt.

Mein Plan war, mich auf dem Landweg zum Oberlauf des Kongoflusses durchzu- schlagen und von dort mit dem Boot die Strecke bis nach Kisangani zurückzulegen mit einigen Überlandabschnitten zwischendrin, wo Stromschnellen zu umgehen waren). Bis Bukana am Kongofluß waren es ungefähr 500 km, aber mein Plan per Autostop dahin zu kommen erwies sich als undurchführbar - ganz einfach weil es dort keinen Autoverkehr gab! Im Durchschnitt war es wohl alle vier Tage (!), dass ein Auto vorbeifuhr (beziehungsweise, dass ich an einem Auto vorbeikam, einem Laster, der tief im Schlamm feststeckte, oder an Autos, die Motorschäden hatten), und so ergab es sich, dass Laufen auf den eigenen Beinen am Ende schneller war, als auf ein Auto zu warten. Ungefähr zehn Tage brauchte ich für die Strecke bis Bukana, wobei ich am Schluß sogar noch das Vergnügen hatte, die letzten 20 km mit einem Lastwagen mitgenommen zu werden, aber für meine Füße brachte das nur eine geringe Erleich- terung - sie waren mit der Zeit ziemlich ramponiert, und ich freute mich auf die Erholung auf dem Schiff, in das ich hier einsteigen wollte und das mich mit Motorkraft und sanftem Schaukeln ohne eigene Anstrengung bis nach Kongola, schon der halbe Weg nach Kisangani, bringen sollte.

Aber auch dieser Plan sollte sich als großer Irrtum erweisen! Auf der kurzen Strecke mit dem Laster hatte ich ein paar Leute kennengelernt, die auch die Absicht hatten, mit dem Boot den gleichen Weg zu machen. Also hatten wir uns verabredet, gemein- sam auf ein Boot zu steigen, und als am nächsten Morgen ein Boot ablegte, das ziemlich voller Menschen und damit recht überladen aussah, entschied ich, dass wir hier nicht mehr einsteigen, sondern auf "UNSER Boot" warten sollten - eins, welches am nächsten Morgen auslaufen sollte ...

 

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